Titanic

Jeder kennt die Geschichte, die Titanic, das seinerzeit größte und komfortabelste Schiff sank noch während der Jungfernfahrt. Aber wie war es wirklich? Hier kommt eine kleine Zusammenfassung. Der Bericht ist echt (also keine Phantasiegeschichte).

Doch nun zum historischen Teil:
Die RMS TITANIC war der letzte große Traum des goldenen Zeitalters. Sie sollte die größte Errungenschaft einer Ära werden, die von Reichtum, Selbstvertrauen und Besitz geprägt war. Aber obwohl es noch niemand wußte, stand die Welt kurz vor einer dramatischen Wende. Das Radio war 1901 erfunden worden. Der erste erfolgreiche Flug der Gebrüder Wright fand 1903 statt. Der alte Dünkel über Klasse, Moral und die Rolle der Geschlechter würde schon bald zerschmettert werden. Wenn das Konzept der Titanic der Höhepunkt des Zeitalters war, dann war ihr Untergang vielleicht der Vorhang, der das Ende des alten Theaterstücks und den Beginn eines neuen Dramas anzeigte. In dem wettbewerbsintensiven transatlantischen Dampfschiffahrtsgeschäft hatten große Fortschritte im Design, in der Größe und der Schnelligkeit von Schiffen stattgefunden. Eine der führenden Reedereien, die White Star Line, hatte sich entschlossen, die Schiffe nicht nur schnell, sondern groß und elegant zu gestalten. 1907 entwarfen der Geschäftsführer der White Star Line, J. Bruce Ismay und Lord James Pirrie, ein Partner von Harland & Wolff (Schiffsbauer für White Star Line seit dem Gründungsjahr 1869) drei wundervolle Dampfschiffe, die einen neuen Maßstab in Komfort, Eleganz und Sicherheit setzen sollten. Die ersten beiden Dampfschiffe wurden Olympic und Titanic getauft, wobei der Name "Titanic" von Ismay gewählt wurde, weil er das Gefühl von überwältigender Größe und Kraft vermittelt.

Der Entwurf der beiden Schiffe nahm ein ganzes Jahr in Anspruch. Der Bau der Olympic begann im Dezember 1908 und der Bau der Titanic im März 1909. Die Schiffswerft von Harland & Wolff in Belfast mußte für die beiden enormen Projekte umgestaltet werden und der Pier von White Star in New York mußte verlängert werden, damit die Schiffe dort andocken konnten. In den zwei Jahren bis zur Fertigstellung des Schiffsrumpfes der Titanic wurde die Presse mit Informationen über die Pracht des Schiffes versorgt, so daß die Titanic praktisch schon vor ihrem Stapellauf eine Legende war. Der "Stapellauf" des fertigen Stahlkörpers im Mai 1911 war ein öffentliches Spektakel. Die Erlöse aus den verkauften Tickets wurden einem örtlichen Kinderkrankenhaus gespendet.

Danach wurde sie "ausgerüstet", d.h. die vielen Einrichtungen und Systeme des Schiffs wurden eingebaut, die aufwendigen Holzarbeiten wurden durchgeführt und das schöne Dekor angebracht. Kurz vor dem geplanten Datum für die Jungfernfahrt war die fertiggestellte Olympic in eine Kollision verwickelt und bedurfte umfassender Reparaturarbeiten. Dadurch geriet Harland & Wolff, die bereits Probleme hatten, die Titanic planmäßig fertigzustellen, noch mehr unter Druck. Die Jungfernfahrt der Titanic wurde deshalb vom 20. März auf den 10. April verschoben. Die Titanic war 883 Fuß (ca. 269 m) lang, 92 Fuß (ca. 28 m) breit und sie wog 46.328 Tonnen. Vom Kiel bis zur Brücke war sie 104 Fuß (ca. 32 m) hoch, wovon sich fast 35 Fuß (11 m) unter der Wasserlinie befanden…trotzdem ragte sie höher aus dem Wasser hervor als die meisten städtischen Gebäude jener Zeit. Es gab drei richtige Schornsteine; ein vierter Scheinschornstein wurde hauptsächlich angebracht, um den Eindruck der gigantischen Größe und Kraft noch zu erhöhen und um Rauch aus den zahlreichen Küchen und Kombüsen abzulassen. Sie war das größte bewegliche Objekt, das jemals von Menschenhand geschaffen wurde. Die immense Größe und Komplexität des Schiffes zeigt sich an einem Vorfall, an den sich der zweite Offizier Lightoller erinnerte. Auf der Steuerbordseite achtern befand sich eine Gangway-Tür, die "groß genug war, um ein Pferd mit Kutsche hindurch zu treiben." Aber gleichzeitig brauchten drei Offiziere, die während der Vorbereitungsarbeiten an Bord kamen, einen ganzen Tag, um diese Tür überhaupt zu finden.

Außerdem sollte sie ein Wunderwerk moderner Sicherheitstechnik sein. Sie besaß einen doppelten Rumpf aus 2,5 cm dicken Stahlplatten und ein (vielgepriesenes) System aus 16 wasserdichten Abteilungen, die von massiven Türen verschlossen waren. Diese Türen konnten über einen einzigen elektronischen Schalter auf der Brücke oder sogar automatisch über elektrische Wassersensoren in Sekundenschnelle aktiviert werden. Die Presse begann, das Schiff als "unsinkbar" zu bezeichnen.

Die Unterkünfte waren das modernste und luxuriöseste, was es auf den Meeren gab; sie beinhalteten elektrisches Licht und Heizung in jedem Raum, elektrische Aufzüge, ein Swimmingpool, ein Squash Court (der als schrecklich modern galt), ein türkisches Bad, ein Sportstudio mit einem mechanischen Pferd und einem mechanischem Kamel, um die Reiter fit zu halten, sowie Passagierkabinen und Erste-Klasse-Einrichtungen, die es mit den besten Hotels des Kontinents aufnehmen konnten. Die Passagiere der ersten Klasse schwebten über ein sechs Stockwerke hohes elegantes Treppenhaus mit Glaskuppel hinab, um sich im prächtigen Speiseraum der ersten Klasse, der die ganze Breite des D-Decks ausfüllte, den Genüssen der Haute Cuisine hinzugeben. Für alle, die es intimer liebten, bot die Titanic ein herrschaftliches a la carte Restaurant, den schicken Palmengarten und die Veranda, sowie das festliche Cafe Parisien. Für die Unterhaltung sorgten zwei Kapellen (gegenüber der sonst üblichen einen Band) mit den besten Musikern auf dem Atlantik, von denen viele von Konkurrenzschiffen abgeworben worden waren.
Es gab zwei Büchereien, eine für die erste Klasse und eine für die zweite Klasse. Selbst die Kabinen der dritten Klasse (auf dem Zwischendeck) waren luxuriöser als die Erste-Klasse-Kabinen auf kleineren Dampfschiffen und wiesen Einrichtungen auf (wie beispielsweise Toiletten), die einige der auf der Titanic reisenden Emigranten noch nicht einmal im eigenen Heim hatten. Das Ursprungsdesign schrieb 32 Rettungsboote vor. Die Geschäftsführung der White Star Line war aber der Ansicht, daß das Bootsdeck damit überladen aussehen würde und reduzierte die Anzahl deshalb auf 20, was einer Gesamtzahl von 1178 Plätzen entsprach. Das war mehr als zur damaligen Zeit vorgeschrieben, obwohl die Titanic mehr als 3500 Menschen (Passagiere und Crew) an Bord nehmen konnte

Die Jungfernfahrt zog die "Creme de la creme" an: britische Aristokraten, amerikanische Industrielle, die oberen Zehntausend aus New York und Philadelphia. Es kamen auch viele arme Emigranten in der Hoffnung, in Amerika oder Kanada ein neues Leben beginnen zu können.

Die Reise begann Mittwoch, den 10. April 1912, 12 Uhr mittags, in Southampton. Bis zum Sonnenuntergang hatte die Titanic bereits in Cherbourg, Frankreich, halt gemacht, um weitere Passagiere an Bord zu lassen. Am gleichen Abend fuhr sie weiter nach Queenstown, Irland, und am Donnerstag, den 11. April, startete sie um 13.30 Uhr in Richtung Atlantik.

Die verwöhnten transatlantischen Passagiere zeigten sich von dem neuen Schiff tief beeindruckt. Es war so massiv, daß die Seebewegungen kaum zu spüren waren. Die riesigen kraftvollen Motoren produzierten fast keine der störenden Vibrationen, die auf anderen Dampfschiffen gang und gebe waren, und sie arbeiteten fast lautlos. Und dieser außerordentliche Komfort wurde sogar noch bei einer Geschwindigkeit von 22 Knoten erreicht. Die Titanic war damit nicht das schnellste Schiff auf der Route, aber sie gehörte sicherlich zu den schnellsten 5. Das Wetter war angenehm und klar und die Wassertemperatur betrug ca. 12 Grad Celsius. Durch den ungewöhnlich milden Winter des Jahres 1912 trieben im Atlantik noch nie dagewesene Eismengen aus den arktischen Regionen. Die Titanic war mit dem neuen drahtlosen Telegrafensystem von Marconi ausgestattet und die beiden Crew-Mitglieder, die für die Marconi-Telegrafen verantwortlich waren, hielten den Telegrafenraum 24 Stunden am Tag besetzt. Am Sonntag, den 14. April, dem fünften Tag auf offener See, erhielt die Titanic fünf verschiedene Eiswarnungen, aber der Kapitän war nicht übermäßig besorgt. Das Schiff fuhr mit vollen 22 Knoten voraus und der Geschäftsführer der Reederei, J. Bruce Ismay, sonnte sich bereits in dem Gedanken, schon einen Tag früher als geplant in New York einzulaufen.

In der Nacht des 14. April war der Funker Phillips vollauf damit beschäftigt, Botschaften der mitteilungsbedürftigen Passagiere nach Cape Race in Neufundland zu senden, von wo sie an Freunde und Verwandten ins Landesinnere weitergeleitet werden konnten. In dieser Nacht erhielt er eine sechste Eiswarnung. Er erkannte aber nicht, wie nahe sich die Titanic an der entsprechenden Stelle befand und legte die Warnung unter einen Briefbeschwerer neben seinen Ellbogen. Die Warnung gelangte nie bis zu Kapitän Smith oder seinen Offizier auf der Brücke.

Allen Berichten zufolge war die Nacht ungewöhnlich klar und dunkel, mondlos, aber in das sanfte Glühen unzähliger Sterne getaucht. Die Sterne leuchteten so hell, daß ein Offizier den Planeten Jupiter (der gerade über dem Horizont aufging) für das Licht eines Dampfschiffes hielt.

Auch das Meer war ungewöhnlich ruhig und flach, "wie Glas" sagten viele Überlebende. Durch das Fehlen von Wellen war es noch schwieriger, einen Eisberg zu erkennen, weil die verräterischen weißen Schaumkronen um die Ränder des Berges fehlten.

Um 11.40 Uhr entdeckte ein Beobachtungsposten im Ausguck einen Eisberg direkt vor dem Schiff. Er verständigte die Brücke und der erste Offizier Murdoch befahl, das Schiff hart nach Steuerbord zu steuern. Er signalisierte dem Maschinenraum,die Richtung zu wechseln und voll achtern zu halten. Das Schiff drehte sich leicht, aber es war viel zu groß und bewegte sich viel zu schnell und der Eisberg war viel zu nahe. 37 Sekunden später begann die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt. In dieser Nacht des Heldentums, des Terrors und der Tragödie wurden 705 Leben gerettet, 1502 Leben gingen verloren und es wurden viele Legenden geboren.

Es gibt zahlreiche Bücher und Online-Quellen mit weiteren Informationen über die Titanic. Dabei ist zu beachten, daß selbst die sachlichen Informationen der verschiedenen Quellen über die Titanic weit auseinandergehen. Denn obwohl inzwischen viel über die Titanic bekannt ist und es zahlreiche Theorien gibt, bleibt ebenso vieles nach wie vor im Dunkeln.

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